Der Hof Wietfeldt

Eine kleine Chronik

Fritz Wietfeldt, geboren am 29. November 1878, seit 1904 Vollhöfner in Bennebostel im Erbgang, hatte sich oft gewünscht, einmal Näheres über die Vergangenheit seines Hofes zu erfahren. Die in der Familie aufbewahrte Hausakte bot ihm dafür nur einige Anhaltspunkte. Er bat deshalb Dr. Neukirch, den Direktor des Bomann-Museums in Celle, der im Jahr 1930 die “Geschichte der Stadt Celle” herausgegeben hatte, seinen Fragen einmal nachzugehen. In der folgenden Zeit wurden umfangreiche Untersuchungen durchgeführt, die in der “Chronik” der Familie Wietfeldt in Bennebostel zusammengefasst sind. Hier einige kurze Auszüge.

1233 Erste Erwähnung des Ortes als Bennenburstolt (soweit bisher bekannt).

1437 Älteste urkundliche Nachricht über den Wietfeldtschen Hof. Am 18. Februar 1437 verkaufte Boldewin von Campe seinen Hof “tom Borstelde”, den er von den Herzögen Otto und Friedrich von Braunschweig-Lüneburg zu Lehn gehabt hatte, an diese Fürsten. Am 19. Februar übergaben diese den Hof an den Rat der Stadt Celle. Die Stadt Celle erwarb damit ihren ersten Meierhof.

1438 Erste schriftliche Erwähnung des Namen Wietfeldt in Verbindung mit dem oben bezeichneten Hof, und zwar im sogenannten Celler Schatzarchiv. Dort ist unter den Bauern, die die Abgabe (den Schatz) “To Westertzelle” zu leisten hatten, Gherke Witfelt als Meier auf dem Hofe in Bennebostel genannt.

1500-1546 Im Stadtbuch von Celle werden die Zahlungen der Meier Gerke Witfeld (1500) und Gereke Withfeldt(1546) an die Stadt erwähnt.

1547 Der Hof wird an Hans Withfelt füt 5 Gulden und 2 Mattier übertragen.

Seit dieser Zeit ist der Hof im Familienbesitz, unterbrochen nur von mehreren Zwischenwirten, die jeweils die verwitwete Frau Wietfeldt geheiratet und den Hof geführt haben, um ihn anschließend an den Stiefsohn aus der ersten Ehe zu übergeben.

Neben der Landwirtschaft mussten die Bewohner Spann- und Meierdienste für die Stadt Celle verrichten. Den Heirats- und Erbdokumenten ist zu entnehmen, wie wechselhaft der Wohlstand auf dem Hof im Laufe der vergangenen 550 Jahre gewesen ist. Es gab Mangel zu Zeiten des 30 jährigen Krieges, aber auch großen Wohlstand am Ende des 18. Jahrhunderts. 1747 hat Anna Maria Wietfeld, geborene Gudehus aus Hambühren, ein Backhaus als Mitgift auf dem Hof errichten lassen, das immer noch voll funktionstüchtig ist.

Dass die Idee, den Hof gastronomisch zu nutzen, nicht gerade neu ist, belegt ein Zitat von Fritz Wietfeldt, senior: “Es war in der Zeit meiner Großeltern (1850-76). Im ganzen Eichhof waren schöne Fußwege für die Besucher der Gastwirtschaft angelegt. Der Hauptverkehr war Sonnabends und Sonntags, die meisten Besucher kamen aus angesehenen Familien der Stadt Celle. Mein Vater und sein Bruder mussten als Jungen am Weg die Nienhägener abpassen, die hier mit Kiepen und Körben durchkamen, um Eier und Butter nach Celle zu bringen. Denen mussten sie die Eier abkaufen, denn meine Großmutter musste viele Pfannkuchen backen. Im Eichhof war eine Kegelbahn eingerichtet, die ziemlich viel genutzt wurde. Drei Linden waren oben an den Kronen zusammengezogen, wie zu einem Dach und darunter war die Stelle, wo zum Kegeln angesetzt wurde.” Diese Gastwirtschaft wurde mit der Hofübergabe an die folgende Generation wieder aufgegeben.

Landwirtschaft mit Ackerbau und Viehzucht diente unseren Vorfahren als Broterwerb. Dabei hat jede wirtschaftende Generation den Hof nach ihren Bedürfnissen umgestaltet. An den Gebäuden des Hofes sind die jeweiligen Bauphasen für jeden Gast sichtbar. Häufig finden sich Jahreszahlen an den Giebeln, so dass das Alter des jeweiligen Bauwerkes einfach bestimmt werden kann.

Durch die Veränderungen der landlichen Struktur, einhergehend mit der Industrialisierung der Landwirtschaft im 2o. Jahrhundert, hat sich das Leben auf Hof Wietfeldt grundlegend geändert. Da großflächige Landwirtschaft in unserer kleinteiligen Fuhseaue nur bedingt möglich ist, haben sich Gerd und Gisela Wietfeldt zu einem mutigen Schritt entschlossen. Nach der Renovierung des Backhauses 1987 haben sie neben der Landwirtschaft angefangen Gäste zu bewirten. Damit war der erste zaghafte Schritt weg von der Landwirtschaft hin zu der Veranstaltungsgastronomie  getan.

Seit dieser Zeit wird der Hof Wietfeldt Zug um Zug umgestaltet, in dem die historischen Gebäude in ihrer Ausstattung an die neuen Bedürfnisse angepasst werden. Uns ist dabei sehr wichtig, dass der historische Charme des Hofes erhalten bleibt, sehr wohl aber an der einen oder anderen Stelle durch moderne Elemente ergänzt wird.

  • Aus der Treckergarage wurde die Häckselscheune,
  • aus dem Hühnerstall die Neue Diele,
  • in der Kartoffelscheune finden Gesellschaften mit mehr als 100 Gästen statt
  • im Schweinestall können sich Brautpaare das Ja-Wort geben
  • im Kuhstall wird gekocht und gebacken

Damit hat sich das Leben auf dem Hof Wietfeldt innerhalb einer Generation stärker geändert als jemals zuvor in der über 700 jährigen Geschichte des Hofes.

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